von Peter Lindlacher und Alexander Gregory

Finanzierung der Jugendarbeit - Fundraising als sinnvolle Ergänzung

In den öffentlichen Haushalten gähnen große Löcher. Allenthalben, auch im Jugendbereich werden Zuschüsse gekürzt. Auf der Suche nach Alternativen wächst das Interesse an Fundraising. Dieser Sammelbegriff fasst viele altbekannte oder neue kreative Formen der Mittelbeschaffung für gemeinnützige Organisationen zusammen. Alle sollten diese Wege prüfen – gerade auch die, deren Finanznot noch nicht so akut ist, denn meist sind längere Vorlaufzeiten erforderlich.

Das Fundraising eignet sich weniger zur Kompensation wegfallender Stellenfinanzierungen oder zum Stopfen allgemeiner Haushaltslöcher, weil Förderer in der Regel nur etwas für – zeitlich begrenzte – Projekte geben. Eine Bitte um Unterstützung hat im engeren Umfeld Ihres Projektes bzw. Ihres Teams immer den größten Erfolg. Fragen Sie daher zunächst Ihre Bekannten, Verwandten, Mitglieder und alle, die davon profitieren bzw. schon Gutes darüber gehört haben. Je näher die Spender, die Firmen, Stiftungen, Behörden Ihnen sind, desto interessierter sind sie am Fortbestand Ihres Projektes.

Die folgende kleine Auswahl an Fundraising-Instrumenten soll die Vielfältigkeit der Möglichkeiten aufzeigen. Wahrscheinlich sind nicht alle für Ihr Projekt geeignet, doch das ein oder andere ist einen Versuch wert.

Lohnt es sich immer noch, Spendenbriefe zu verschicken?
Im Jahr 2000 spendeten 37 % der Deutschen für gemeinnützige Zwecke (Emnid-Institut). Über die Gesamtsumme gibt es nur Schätzungen: Sie reichen von zwei bis fünf Milliarden Euro (BSM-Newsletter). Der deutsche Spendenmarkt stagniert seit zehn Jahren. Gleichzeitig sammeln immer mehr Organisationen Spenden. Zwischen den Größeren nimmt der Verdrängungswettbewerb zu. Die Kleinen sind der lachende Dritte: Die Spender geben tendenziell eher den kleinen, lokalen Organisationen etwas und teilen ihre Spenden auf immer mehr Organisationen auf.
Große Organisationen, die überwiegend von Spenden leben, setzen auf immer stärkere Professionalisierung.
Mailings (Briefversendungen) sind das klassische Instrument zur Akquisition neuer oder zur Bindung alter Förderer. Die Spender erhalten immer mehr Mailings von immer mehr Organisationen, so dass es berechtigte Zweifel gibt, ob Mailings auch zukünftig das zentrale Instrument des Fundraisings sein können. Die Kosten für diese Art des Fundraising steigen, wodurch die Bindung der Förderer an die eigene Organisation immer wichtiger wird.
Für alle Organisationen, die einen größeren oder kleineren Freundeskreis und ein plausibles Projekt haben, lohnt es sich nach wie vor, ein- bis sechsmal pro Jahr Spendenbriefe zu verschicken. Noch wirksamer ist es, wenn Sie persönliche Briefe an potentielle Unterstützer schreiben. Nutzen Sie den Charme kleiner, handgemachter Auflagen an bekannte Unterstützer. In einem solchen Fall schadet es auch nicht „ein wenig unprofessionell“ zu wirken. Das wirkt sympathisch. Vergessen Sie nicht, sich zu bedanken, Spendenquittungen zu verschicken und Ihre Spender regelmäßig über den Fortgang des Projektes und die Verwendung der Mittel zu informieren.

Mitglieder
Mitgliedsbeiträge sind eine solide Grundfinanzierung. Mitglieder zeichnen sich durch hohe Identifikation mit der Organisation aus und bleiben ihr oft jahrelang erhalten. Die Organisation hat dadurch Gelder zur Verfügung, mit denen sie langfristig kalkulieren kann. Bei jeder Kampagne brauchen Sie Unterstützer. Jemand muss nach Geld fragen, also brauchen Sie Sammelnde, Menschen mit Beziehungen, Multiplikatoren und Türöffner. Dafür sind Mitglieder am ehesten zu mobilisieren. Das gilt jedoch nur, wenn sie gut informiert und entsprechend hoch motiviert sind.

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